Die Zukunft ist lokal

Landwirtschaft wird oft als Synonym für Ernährungswirtschaft verwendet. Doch Landwirtschaft ist mehr als Nahrungsmittelproduktion: Sie stellt insbesondere auch die Rohstoffe unserer Kleidung und einer Vielzahl von Bedarfsgegenständen her. Diese Tatsache wird in der auf Lebensmittel reduzierten Regionalisierungsdebatte total übersehen.
Die fortschreitende Globalisierung führte seit Mitte des 20. Jahrhunderts dazu, dass die lokale Produktion von Non-Food-Produkten immer mehr verschwand und in Vergessenheit geriet. Doch insbesondere pflanzenbasierte Fasern wie Hanf, Flachs, Nesseln, Hopfen, Weiden, oder tierische Fasern wie Wolle, Felle und Häute sind wertvolle Rohstoffe, die in unseren Breitengraden in genügenden Mengen hergestellt werden (können).

Verbindung von Nahrung und Fasern

Dass eine Verbindung zwischen Landwirtschaft und Bekleidung besteht, wird - in unseren Breitengraden - nicht mehr wahrgenommen. Synthetische Fasern haben natürliche Fasern mengenmässig längst abgelöst; doch rund 30% der weltweit produzierten Fasern sind aus Naturmaterialien, die aus der Landwirtschaft stammen. Es sind also dieselben Menschen - Landwirtinnen und Landwirte - welche die Fasern für unsere Kleider und Bedarfsgegenstände herstellen: Seien es Nebenprodukte aus der Milchwirtschaft, aus welchen Lederschuhe oder ein Ledersofa wird, sei es Schurwolle, welche für Socken, einen Teppich oder Wärmeisolation verwendet werden kann, oder Hanfstroh, aus welchem Stoffe, Papier, Keramik oder Baumaterial hergestellt werden kann.

Lokal produzieren, lokal konsumieren

“Die FAO geht davon aus, dass uns auf dieser Erde noch etwa 60 Ernten bleiben, bis die Böden komplett ausgelaugt sind, wenn wir so weitermachen wie bisher” (Bärtschi, Daniel). Unser Ziel ist es, die Lehren aus der Lebensmittelbewegung – lokal, biologisch, regenerativ – dafür zu nutzen, um eine neue Dynamik und Reformen in die lokale Faser- und Textilindustrie zu bringen. “Local is our future” hat nicht nur für die Ernährungswirtschaft oberste Priorität, sondern auch für die Herstellung von Bekleidung und Bedarfsgegenständen. Klimafreundliche Produktion auch jenseits von Essen muss zum neuen Standard wer den in einer Welt, die den Klimawandel eindämmen möchte. Es ist höchste Zeit für eine Veränderung.

Dafür haben wir den Verein Myko ins Leben gerufen. Der Verein bezweckt die Erschaffung eines regionalen Ökosystems mit regenerativen pflanzlichen und tierischen Fasern, sowie einer Plattform, welche Bauern, die verarbeitende Industrie (Spinnereien, Webereien etc.), Handwerker, Designer, Marken, Endverbraucher und die Öffentlichkeit miteinander verbindet. Der Verein möchte die Herstellung von Produkten ermöglichen, die zirkulär sind, die Gesundheit des Bodens fördern und das Bewusstsein für eine lokale Produktion und Handwerkskunst zurückbringen.

Durch die Vernetzung von Faserproduzenten mit Designern und Absatzmärkten möchten wir Materialien und Lieferketten an- resp. aufbauen, welche den organischen Kohlenstoffgehalt des Bodens und die Biodiversität erhöhen, die Wasserspeicherkapazität des Bodens verbessern und gesunde Ökosysteme wiederherstellen.

Wendell Berry sagte: “Wer isst, ist unmittelbar mit der Landwirtschaft verbunden.” Myko ruft hervor, dass “wer sich kleidet, ist unmittelbar mit der Landwirtschaft verbunden” und sogar “wer lebt, ist unmittelbar mit der Landwirtschaft verbunden”.